Archiv für Juni 2007

Live Free or Die Hard – Stirb Langsam 4.0

Juni 27, 2007

Zwölf Jahre sind vergangen, seit Bruce Willis zuletzt Terroristen den Kampf angesagte. Jetzt ist er wieder in seine Paraderolle ‘John McClain’ geschlüpft. Er bekämpft Cyber-Terrorismus und mimt den im neuzeitlichen Digital-Krimi verfangenen Actionhelden.

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Bereits bei Eintritt in die Kino-Lounge wird der gespannte Zuschauer von den Ticket- und Popcorn-Verkäufern unmittelbar auf Kurs gebracht. Auf den T-Shirts der Kino-Crew prangt der Spruch, den Detective John McClane seinen Gegnern noch in jedem seiner Abenteuer halb schmunzelnd ins Ohr flüstert, bevor er zum finalen Gegenschlag ausgeholt: „Yippie-Ya-Yeah Schweinebacke!“ Spätestens jetzt sollte dem Kinogänger klar geworden sein, was ihn erwartet: ein rasanter Actionfilm, gespickt mit trockenem Humor.

Die neue Gefahr: Cyber-Terrorismus

Die Plot ist rasch erzählt: Cyber-Terrorist Thomas Gabriel führt ganz Amerika vor, wie sehr sich die Menschheit mittlerweile von der IT-Infrastruktur abhängig gemacht hat. Diese Lektion soll die Bevölkerung ausgerechnet am 4. Juli, dem US-amerikanischen Unabhängigkeitstag lernen.

Computerexperte Gabriel verschafft sich die alleinige Vollmacht über sämtliche Kommunikationsnetze, das Transportwesen und die Stromversorgung Nordamerikas. Einzig John McClane ist in diesem Chaos Manns genug, dem virtuellen Terror die blutverschmierte Stirn zu bieten. An seiner Seite ein junger Computer-Freak als neuzeitlicher Helfer, der McClanes Wissenslücken beim technologischen Fortschritt wett zu machen versucht.

Als der junge Hacker Matt Farrell einen Job vollendet und seiner Auftragsgeberin übers Internet den gewünschten Code zusendet, ahnt Farrell noch nicht, dass er nur Werkzeug einer terroristischen Vereinigung geworden und bereits dem Tod geweiht ist. Wie sieben seiner Hacker-Freunde soll auch Matt nach getaner Arbeit umgebracht werden – doch die Terroristen hatten einen Mann nicht auf der Rechnung: Detective John McClane.

Bruce Willis im Action-Wahn

In humorvoller Manier befreit McClane den unreifen Computer-Freak vorerst aus den Fängen der virtuellen Gegner und nimmt gemeinsam mit seinem Schützling die Herausforderung an, Amerika vor einer digitalen Katastrophe zu retten. Was jetzt kommt, ist eine zweistündige actiongeladene Hetzjagd auf einen unnahbar erscheinenden Feind. Reichlich verbeulte Autos und zerberstende Brücken säumen den Weg des Actionhelden durch Amerikas Hauptstadt.

Zu Beginn freut sich der Zuschauer noch über die einleitende Explosion und erste blutige Schrammen in McClanes Gesicht nach gefühlten zwei Minuten Spielzeit. Auch als McClane eine Frau verprügelt und sie anschließend in einem Fahrstuhlschacht versenkt bleibt das Publikum bei der Stange. Als der dann Held mit seinem Auto gar einen Helikopter vom Himmel holt, geht jedoch die Phantasie mit Regisseur Len Wiseman vollends durch, und McClane duelliert am Steuer seines Sattelschleppers gar mit einem F-14-Bomber.

Analog gegen digital

Doch der Film bietet nicht nur fulminante Actionszenen, viele Tote und trockenen Humor, er streicht die letztliche Hilflosigkeit eines Actionhelden der achtziger Jahre im Umgang mit Hightech heraus. Hier geht es nicht mehr nur um die Unterscheidung „gut gegen böse“. John McClane entstammt einem anderen Zeitalter, er hat wie viele seiner Generation die technologische Entwicklung völlig verschlafen und sieht sich nun einer Gefahr ausgesetzt, die nicht mehr nur von Kofferbomben oder Granaten ausgeht, der Schrecken verbreitet sich vielmehr per Mausklick.

Der traditionelle Actionheld muss gegen eine virtuelle Übermacht antreten. Nun heißt es: Alt gegen Neu, analog gegen digital, Faust gegen Tastatur. Diese Unterscheidungen werden im gesamten Film aufrecht gehalten: Während Computer-Freak Matt Farrell klassische Rockmusik verabscheut, dreht McClane das Radio lauter, wenn die 60er Jahre Rockband Creedence Clearwater Revival zur Gitarre greift.

Als zwei Hacker über PC-Probleme fachsimpeln, steht John ahnungslos daneben und fragt genervt: „Wovon redet ihr Typen?“. In einer anderen Szene hält McClane seine Hand vor eine Webcam, geht davon aus, dass er mit dieser Sichtbehinderung auch die Audiokanäle der Internetverbindung kappt und verrät sein weiteres Vorgehen bei der Jagd nach den Cyber-Terroristen.

Ganz deutlich wird das Gefälle zwischen Modernität und McClanescher Steinzeit, als Terrorist Gabriel ihm mit einem digitalen Anschlag droht, dessen Auswirkung sich McClane gar nicht vorstellen könne. John versucht den Rivalen im Gegenzug mit dem Vorhaben einzuschüchtern, zu ihm zu kommen, um ihm einen „Tritt in den Arsch“ zu verpassen.

Virtueller Terror gegen reale Prügel: Genau diese Rückständigkeit ist es, die McClane letztlich –vor allem auch älteren Action-Fans – so sympathisch macht. Handfeste Argumente besiegen letztlich auch das virtuellste Geplänkel. Dass die Filmproduzenten bei den Dreharbeiten in hohem Maße auf computerisierte Bearbeitungs- und Produktionstechniken bauen, tut dem Spektakel keinen Abbruch und sei den Machern sodann verziehen.

Verfilmung einer aktuellen Thematik

Abgesehen vom Unterhaltungswert, spielt der Film auf ein aktuelles Thema an. Cyber-Terrorismus als Gefahr zu betrachten ist derzeit nicht nur in Hollywood ein prominenter Gedanke. Tatsächlich trainieren Sicherheitsexperten des Pentagons bereits, um gegen einen potentiellen digitalen Anschlag gerüstet zu sein.

Und nicht nur Boulevardsender beschäftigen sich in TV-Berichten mit dieser Vorstellung, auch renommierte Kultur-Sender wie Arte befragen mittlerweile Experten ganze Themenabende lang zu möglichen Auswirkungen virtuellen Terrors. Der Film gibt somit bei all den unrealistischen Action-Szenen dennoch zu denken und stellt letztlich wirkungsvoll die Frage nach unserer Verletzlichkeit im digitalen Zeitalter.

(c) europolitan

Bohlen und Medlock bei Wetten dass…?

Juni 25, 2007

In der Sommerausgabe von ‘Wetten dass…?’ betraten Dieter Bohlen und Mark Medlock am vergangenen Samstag erstmals als Duo die Musikbühne. Weltpremiere oder Flop?

„Eine neue Traumverbindung entsteht heute! Ein Titan trifft auf einen Superstar! Mark Medlock und Dieter Bohlen! Weltpremiere in Mallorca! Rock it, Dieter!“. Mit diesen Worten kündigte Thomas Gottschalk den ersten gemeinsamen Auftritt von Musikproduzent Bohlen und Sänger Medlock an. Doch leider hielt die Premiere nicht, was Gottschalk versprach.

So sehr der Zuschauer es dem RTL-Superstar Mark Medlock auch gönnt, ein reibungsloser Aufstieg in den Pop-Himmel scheint dem Sänger nicht bevor zu stehen. Zu glatt, zu langweilig kam sein lang erwarteter Auftritt beim ZDF-Quotenmagneten daher. Der von Bohlen geschriebene Song „You can get it if you really try“ barg keine den Hörer fesselnde Überraschung, sondern zeichnete sich eher durch konsequente Monotonie aus.

Die Zuschauer in der Stierkampfarena klatschten im Takt des simplen Rhythmus, sparten jedoch überbordende Begeisterung weitgehend aus. Lediglich der Einsatz Bohlens zum Ende des Songs wurde applaudierend zur Kenntnis genommen. Während Dieter die ersten drei Minuten vorgab, seine Gitarre zu spielen, begab er sich zum Finale des gemeinsamen Auftritts höchstpersönlich ans Mikrophon und kreischte den Refrain in der Dauerschleife. Mehr belustigt als bewundernd hob sich die Stimmung auf der Tribüne auf Mallorca.

Auch das Interview mit Medlock und Bohlen auf dem Show-Sofa bot dem Zuschauer keine wirkliche Unterhaltung. Während Dieter weitgehend den wortkargen Komparsen mimte, entlockte Gottschalk dem „Superstar“ Medlock lediglich die Höflichkeitsformel: „Ich bin froh, dass mein Bobbelchen bei mir ist“.

Wenn die Karriere von Mark Medlock weiterhin mit solch belanglosen Auftritten vorangetrieben werden soll, wird er sicherlich schneller wieder von der medialen Oberfläche verschwinden, als seine RTL-geprüften ‘Superstar’-Vorgänger. Wetten, dass?

(c) europolitan