Zwölf Jahre sind vergangen, seit Bruce Willis zuletzt Terroristen den Kampf angesagte. Jetzt ist er wieder in seine Paraderolle ‘John McClain’ geschlüpft. Er bekämpft Cyber-Terrorismus und mimt den im neuzeitlichen Digital-Krimi verfangenen Actionhelden.
Bereits bei Eintritt in die Kino-Lounge wird der gespannte Zuschauer von den Ticket- und Popcorn-Verkäufern unmittelbar auf Kurs gebracht. Auf den T-Shirts der Kino-Crew prangt der Spruch, den Detective John McClane seinen Gegnern noch in jedem seiner Abenteuer halb schmunzelnd ins Ohr flüstert, bevor er zum finalen Gegenschlag ausgeholt: „Yippie-Ya-Yeah Schweinebacke!“ Spätestens jetzt sollte dem Kinogänger klar geworden sein, was ihn erwartet: ein rasanter Actionfilm, gespickt mit trockenem Humor.
Die neue Gefahr: Cyber-Terrorismus
Die Plot ist rasch erzählt: Cyber-Terrorist Thomas Gabriel führt ganz Amerika vor, wie sehr sich die Menschheit mittlerweile von der IT-Infrastruktur abhängig gemacht hat. Diese Lektion soll die Bevölkerung ausgerechnet am 4. Juli, dem US-amerikanischen Unabhängigkeitstag lernen.
Computerexperte Gabriel verschafft sich die alleinige Vollmacht über sämtliche Kommunikationsnetze, das Transportwesen und die Stromversorgung Nordamerikas. Einzig John McClane ist in diesem Chaos Manns genug, dem virtuellen Terror die blutverschmierte Stirn zu bieten. An seiner Seite ein junger Computer-Freak als neuzeitlicher Helfer, der McClanes Wissenslücken beim technologischen Fortschritt wett zu machen versucht.
Als der junge Hacker Matt Farrell einen Job vollendet und seiner Auftragsgeberin übers Internet den gewünschten Code zusendet, ahnt Farrell noch nicht, dass er nur Werkzeug einer terroristischen Vereinigung geworden und bereits dem Tod geweiht ist. Wie sieben seiner Hacker-Freunde soll auch Matt nach getaner Arbeit umgebracht werden – doch die Terroristen hatten einen Mann nicht auf der Rechnung: Detective John McClane.
Bruce Willis im Action-Wahn
In humorvoller Manier befreit McClane den unreifen Computer-Freak vorerst aus den Fängen der virtuellen Gegner und nimmt gemeinsam mit seinem Schützling die Herausforderung an, Amerika vor einer digitalen Katastrophe zu retten. Was jetzt kommt, ist eine zweistündige actiongeladene Hetzjagd auf einen unnahbar erscheinenden Feind. Reichlich verbeulte Autos und zerberstende Brücken säumen den Weg des Actionhelden durch Amerikas Hauptstadt.
Zu Beginn freut sich der Zuschauer noch über die einleitende Explosion und erste blutige Schrammen in McClanes Gesicht nach gefühlten zwei Minuten Spielzeit. Auch als McClane eine Frau verprügelt und sie anschließend in einem Fahrstuhlschacht versenkt bleibt das Publikum bei der Stange. Als der dann Held mit seinem Auto gar einen Helikopter vom Himmel holt, geht jedoch die Phantasie mit Regisseur Len Wiseman vollends durch, und McClane duelliert am Steuer seines Sattelschleppers gar mit einem F-14-Bomber.
Analog gegen digital
Doch der Film bietet nicht nur fulminante Actionszenen, viele Tote und trockenen Humor, er streicht die letztliche Hilflosigkeit eines Actionhelden der achtziger Jahre im Umgang mit Hightech heraus. Hier geht es nicht mehr nur um die Unterscheidung „gut gegen böse“. John McClane entstammt einem anderen Zeitalter, er hat wie viele seiner Generation die technologische Entwicklung völlig verschlafen und sieht sich nun einer Gefahr ausgesetzt, die nicht mehr nur von Kofferbomben oder Granaten ausgeht, der Schrecken verbreitet sich vielmehr per Mausklick.
Der traditionelle Actionheld muss gegen eine virtuelle Übermacht antreten. Nun heißt es: Alt gegen Neu, analog gegen digital, Faust gegen Tastatur. Diese Unterscheidungen werden im gesamten Film aufrecht gehalten: Während Computer-Freak Matt Farrell klassische Rockmusik verabscheut, dreht McClane das Radio lauter, wenn die 60er Jahre Rockband Creedence Clearwater Revival zur Gitarre greift.
Als zwei Hacker über PC-Probleme fachsimpeln, steht John ahnungslos daneben und fragt genervt: „Wovon redet ihr Typen?“. In einer anderen Szene hält McClane seine Hand vor eine Webcam, geht davon aus, dass er mit dieser Sichtbehinderung auch die Audiokanäle der Internetverbindung kappt und verrät sein weiteres Vorgehen bei der Jagd nach den Cyber-Terroristen.
Ganz deutlich wird das Gefälle zwischen Modernität und McClanescher Steinzeit, als Terrorist Gabriel ihm mit einem digitalen Anschlag droht, dessen Auswirkung sich McClane gar nicht vorstellen könne. John versucht den Rivalen im Gegenzug mit dem Vorhaben einzuschüchtern, zu ihm zu kommen, um ihm einen „Tritt in den Arsch“ zu verpassen.
Virtueller Terror gegen reale Prügel: Genau diese Rückständigkeit ist es, die McClane letztlich –vor allem auch älteren Action-Fans – so sympathisch macht. Handfeste Argumente besiegen letztlich auch das virtuellste Geplänkel. Dass die Filmproduzenten bei den Dreharbeiten in hohem Maße auf computerisierte Bearbeitungs- und Produktionstechniken bauen, tut dem Spektakel keinen Abbruch und sei den Machern sodann verziehen.
Verfilmung einer aktuellen Thematik
Abgesehen vom Unterhaltungswert, spielt der Film auf ein aktuelles Thema an. Cyber-Terrorismus als Gefahr zu betrachten ist derzeit nicht nur in Hollywood ein prominenter Gedanke. Tatsächlich trainieren Sicherheitsexperten des Pentagons bereits, um gegen einen potentiellen digitalen Anschlag gerüstet zu sein.
Und nicht nur Boulevardsender beschäftigen sich in TV-Berichten mit dieser Vorstellung, auch renommierte Kultur-Sender wie Arte befragen mittlerweile Experten ganze Themenabende lang zu möglichen Auswirkungen virtuellen Terrors. Der Film gibt somit bei all den unrealistischen Action-Szenen dennoch zu denken und stellt letztlich wirkungsvoll die Frage nach unserer Verletzlichkeit im digitalen Zeitalter.
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