Endlich ist Ruhe eingekehrt auf Deutschlands Bauernhöfen. RTL hat die Finalfolge des Quotenschlagers „Bauer sucht Frau“ im Kasten, und zieht die Kameramänner von der ländlichen Front wieder ab in die Zentrale. Was bleibt, sind zwei rührende Pärchen, sieben frustrierende Pleiten und die Frage: War das jetzt schlechte Romantik – oder beste Comedy?
(Illustration von Hendrik Berends)
Kerzenbeleuchtetes Ambiente, herzerwärmende musikalische Einspieler und der penetrante Widerhall der Attribute „romantisch“ und „liebevoll“ könnten dem geneigten Fernsehzuschauer schnell den Eindruck verschaffen, es handle sich bei der bäuerlichen Frauenjagd tatsächlich um eine rührende Reality-Show, in der es um echte Gefühle und wahre Liebe geht. Doch geübte Fernseh-Eulen haben gleich das enorme Potential der neun ledigen Bauern erkannt, mit ihren humoristischen Einlagen selbst gestandene TV-Komiker alt aussehen zu lassen.
Kommst Du mit auf meinen Hof?
Da ist zum Beispiel der als schüchtern vorgestellte Ackerbauer Jürgen, der bereits bei der Kennlern-Scheunenparty in der ersten Folge alle Register seines humoristischen Könnens zog. So lud Jürgen seine Auserwählte mit den herzerwärmenden Worten „Bisschen schlanker wäre auch schön gewesen“ für eine Woche auf seinen Bauernhof ein. Dass diese allerdings nicht von solch erfrischendem Humor beseelt war, und die Einladung unter Tränen ausschlug, konnte Jürgen vorher natürlich nicht ahnen. Da half auch keine Entschuldigung – die Liebe war verloren, bevor sie eine Chance bekam.
Leicht irritiert, aber keineswegs entmutigt begab sich Bauer Jürgen nach dieser Pleite wieder auf die Pirsch. Ein Glas Sekt im Sturzflug gekippt, und einfach die nächstbeste Hofdame bezirzt. Die überdachte den Kuhhandel zunächst zwar etwas zögerlich, stimmte nach einem weiteren Glas Perlwein dann aber doch zu, für ein paar Tage in das ehemalige Kinderzimmer von Jürgen einzuziehen. Welcher Zuschauer bis zu dieser Szene noch keinen Eimer Tränen gelacht hat, ist wohl dem vermeintlichen Romantik-Konzept von RTL auf den Leim gegangen.
„Schleichwerber Bernhard“
Auch „Rinderwirt Bernhard“ wusste, wie ein anständiges Comedy-Format zu funktionieren hat. Er inszenierte einen Streit mir seiner Herzensdame Beate, die vor den Objektiven der Kameras den Hof verließ. Mit Drehschluss trafen sich Bernhard und Beate allerdings wieder heimlich, und ohne vertragliche Zustimmung seitens RTL. Moderatorin Inka Bause fand das vielleicht nicht ganz so lustig, von den Zuschauern allerdings wird so viel widerspenstige Energie mit Freuden bejubelt.
Seinen eigentlichen Sinn für Humor entfaltete „Rinderwirt Bernhard“ aber erst dadurch, dass er sich durch geschickte Zurschaustellung seiner Trecker und Landwirtschaftsfahrzeuge eine schnelle Mark nebenher verdiente. Jedes Firmenlogo, das RTL unfreiwillig mit den Kameras einfing und sendete, brachte „Schleichwerber Bernhard“ bare Münze ein. Kein Wunder, dass Bernhard und Beate auffällig oft die Fahrzeuge waschen wollten.
„Tiere sind nichts für mich“
Als ein weiteres Highlight geht sicherlich die Bürokauffrau Alexandra in die Geschichte der Bauern-Saga ein. An der Seite von Furthi ließ sie keine Gelegenheit aus, sich als städtische Zicke zu präsentieren. Schon bei ihrer Ankunft hätte sie anstelle des Sekts-Empfangs lieber eine warme Mahlzeit gehabt. Später weigerte sie sich partout, die Hühner zu füttern: „Nee, mach die Stalltür zu, die flattern ja so“.
Kühe und Schweine waren dann auch nicht so unbedingt ihr Ding, immerhin mit den Katzen konnte sie sich anfreunden. Alexandras aufmunterndes Motto für das Leben auf dem Bauernhof ließ dann auch nicht lange auf sich warten: „Hamster beißen, Hunde müssen raus, Katzen sind perfekt“.
Wurstwasser
Den absoluten Siedepunkt erreichte die Sendung allerdings erst, als der „liebevolle Bauer Bruno“ seiner „Arzthelferin Anja“ ein erstes Festessen auf seinem Bauernhof bereiten wollte. Zielsicher griff er eine Dose Heißwürstchen aus seinem Regal im Lagerraum und marschierte damit in die Küche. Unter den prüfenden Blicken seiner Anja dachte Bruno darüber nach, wie zivilisierte Menschen derartige Würstchen nun erhitzen. Schnell war die rettende Idee gefunden: der Wasserkocher!
Mit den vor freudiger Überwältigung nur noch lachend hervorgebrachten Worten „Nein, nein, wir brauchen einen Topf“, stoppte Anja die Seebestattung der Heißwürstchen im Wasserkocher und setzte einen Kochtopf unter Dampf. Als das Wasser im Topf schließlich erste Blasen schlug, war der Fall für den hungrigen Rinderwirten Bruno klar: „Das Wasser ist gar“.
Goldesel mit Humor
RTL hat es wieder einmal geschafft – und diesmal sogar ohne Dieter Bohlen. Mit durchschnittlich 7,54 Millionen Zuschauern pro Folge (nach Angaben des Senders) war „Bauer sucht Frau“ ein fulminanter Erfolg. Die Produzenten des Privatsenders haben neben „Deutschland sucht den Superstar“ nun einen weiteren Goldesel im Stall. Da kann der Bauernpräsident Gerhard Sonnleitner noch so oft mit der Mistgabel ausholen und die Sendung als Brutstätte „dümmlicher und falscher Klischees“ über seine Bauern aburteilen. Solange die Quote stimmt, kräht kein Hahn danach.
Wenn sich RTL jetzt noch traut, dieses Format von aufgesetzter romantischer Umrahmung zu befreien und es doch als Humor zu bezeichnen, kann die Sendung siegessicher in den Kampf gegen den „Fun-Freitag“ auf Sat 1 ins Rennen um die Einschaltquote gehen.
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