Im Juli feiert der Schauspieler Götz George seinen 70. Geburtstag. Ob als Schimanski, Sandmann oder Totmacher, stets fordert sich der impulsive Zirkuslöwe höchste Disziplin und Präzision ab. Doch gefallen will George niemandem – nur sich selbst.
2007 wurde Götz George mit dem Deutschen Fernsehpreis für sein Lebenswerk ausgezeichnet. Auch wenn George kein selbstverliebter Schauspieler ist, dessen Motor von derartigen Ehrungen angetrieben wird, kann er diese Anerkennung doch als Zeichen des Respekts vor seinen Leistungen begreifen. In unzähligen Rollen fasziniert und polarisiert George bereits seit fast 60 Jahren die deutsche Fernsehlandschaft wie kaum ein anderer.
Der Bulle von Duisburg
Georges Paraderolle war ohne Zweifel die des brachialen Tatort-Kommissars Horst Schimanski. Mit seinen robusten Methoden säuberte er nicht nur ganz Duisburg von schweren Jungs, sondern spielte sich in 29 Folgen in die Herzen der Zuschauer. Laut einer repräsentativen Emnid-Umfrage von 2008 gilt Georges Alter Ego zusammen mit Tatort-Partner Christian Thanner (gespielt von Eberhard Feik) als beliebtestes Kommissaren-Duo aller Zeiten.
Getrieben von einem unumstößlichen Gerechtigkeitssinn trampelte Schimanski Folge um Folge durch die Straßen der Ruhrpott-Metropole am Niederrhein und kämpft als überzeugter und überzeugender Bauchmensch gegen das Establishment an. Feste Prinzipien, ein klares Weltbild und undiplomatisches Durchsetzungsvermögen sind Eigenschaften, die George sicherlich mit seiner wohl bekanntesten Rolle teilt. Und gerade diese Neigung zur unverblümten Realitätssicht wird als Kontrast zur medialen, politischen und auch privaten Schönfärberei des alltäglichen Wahnsinns von den Zuschauern honoriert.
Fremdbestimmung als Fremdwort
Doch nicht nur in der Rolle des Tatort-Kommissars beweist George seinen eigenen Kopf. Wie in zahlreichen Interviews, der jüngst im WDR ausgestrahlten Dokumentation „Nicht reden, machen“ oder der kürzlich erschienen Biographie immer wieder deutlich wird, ist George auch privat ein Mensch, der auf seinen Bauch hört, und der persönlichen Selbstbestimmung höchsten Stellenwert einräumt.
Auch der nichtöffentliche Götz George folgt der Maxime, das eigene Leben selbst in die Hand zu nehmen, Entscheidungen selbst zu treffen, und für die Konsequenzen einzustehen. George ist keiner der Schauspieler, die ihren Lebenslauf von anderen verwalten lassen. Sobald ihm etwas oder jemand Unbehagen bereitet, folgt er dem Rat seiner Mutter und lässt seinem Unmut freien Lauf. „Denn letztendlich hängt alles mit der Lebensqualität zusammen“, offenbart George dem Nachrichtenmagazin ‚Der Spiegel’, „und die bestimmst du selbst“.
Fluchtpunkt Sardinien
Götz George ist ein naturverbundener Mensch. Nicht das turbulente Großstadtleben, nicht die von Abgasen und Lärm verseuchten Straßen, nicht das Menschenmeer ziehen ihn an, sondern vielmehr die idyllische Landschaft fern der nervösen Unruhe deutscher Metropolen.
Schon früh hat sich George neben seinen Wohnungen in Berlin und Hamburg ein kleines Anwesen auf der italienischen Insel Sardinien gegönnt. Ein menschenleerer Strand, an dem er ungestört seine Texte lernen kann, die Pracht des sardischen Landesinneren, und vor allem das Meer bringen George zu sich selbst zurück. So verrät er in der WDR-Dokumentation: „Das Wasser war schon immer mein antreibendes Element“.
So abgeklärt, so ausgeglichen und doch so weit entfernt von körperlichen oder geistigen Beeinträchtigungen, die das Alter mit sich bringen kann, erschien George noch nie. George weiß heute noch immer um die falschen Seiten des Lebens, noch immer blitzt sein Sinn für Gerechtigkeit auf. Doch muss er ihn nun nicht mehr um jeden Preis unter die Leute brüllen.
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