Archiv für die Kategorie ‘Medienmacher’

Elke Heidenreich – Dem ZDF den Rücken

Oktober 30, 2008

Elke Heidenreich hat mit ihren Artikeln in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung eine längst überfällige Diskussion um die Qualität deutscher Fernsehsendungen angestoßen. Das Feuer jedoch, das sie mit ihrer öffentlichen Kritik zu entfachen suchte, wurde ihr selbst zum Verhängnis. Das ZDF sucht derweil nach Ersatz. Eines sollte die Sendeanstalt dabei zumindest merken: Nicht jeder Mitwirkende in der Medienbranche ist ersetzbar.

„Ich nehme diesen Preis nicht an“

Angefangen hat alles mit einem gleichermaßen lauten wie befreienden Auftritt Marcel Reich-Ranickis bei der Verleihung des Deutschen Fernsehpreises. In gewohnt polternder Manier verschaffte sich der Literaturkritiker vor einem großenteils überrascht dreinblickenden Publikum Gehör und bemängelte das Niveau der an diesem Abend prämierten TV-Formate. Er selbst gehöre nicht in die Riege der geladenen Gäste und nehme daher den Preis für sein Lebenswerk nicht an.

Die Aufregung hatte sich allerdings rasch wieder gelegt. Reich-Ranicki durfte ein paar Tage später noch einmal gemeinsam mit Thomas Gottschalk vor eine Fernsehkamera treten, um seinen Unmut weit weniger emotional zur allgemeinen Kenntnisnahme freizugeben und die Deutsche Telekom warb in einer Anzeige mit dem Konterfei des 88-Jährigen. Das Thema wäre im Sande verlaufen – hätte sich Elke Heidenreich nicht zu Wort gemeldet.

Ene mene mu und raus bist du!

„Eine natürliche, respektlose Art und ein kesses Mundwerk gehören zu ihren Markenzeichen.“ Mit genau diesen Worten präsentiert das ZDF auf den eigenen Internetseiten seit einigen Jahren wohlwollend und anerkennend die Frau, die kürzlich den Sender verlassen musste, weil sie eben dieser Wesensbeschreibung gerecht wurde. Plötzlich schätzen Schächter und Bellut, Intendant und Programmdirektor des ZDF, nicht mehr das „kesse Mundwerk“ der Literatur-Expertin, sondern geben sich „persönlich enttäuscht“ von der Schärfe in Heidenreichs Äußerungen.

Das ZDF will sich die vernichtende Kritik Heidenreichs nicht gefallen lassen. Nicht, weil Heidenreich unrecht hätte, sondern vielmehr weil das ZDF die öffentliche Kritik nicht auf sich sitzen lassen will. So wie ein Fußballbundestrainer schnell als Lachnummer gilt, wenn er seine Spieler nicht im Griff hat, scheint sich ein Sender der Lächerlichkeit preis zu geben, der seine Moderatoren nicht ruhig halten kann. Es dreht sich in dieser Debatte nicht wirklich um die angeprangerten Missstände in der deutschen Fernsehlandschaft, sondern vielmehr um verletzte Eitelkeiten.

Mit dem Zweiten liest man weiter

Den Luxus eines Literaturmagazins will sich das ZDF dennoch weiterhin leisten. Bellut versicherte, dass bereits ein entsprechendes Konzept erarbeitet wird. Die Frage, wer das neue Kultur-Format moderieren soll, ist allerdings noch nicht geklärt. Es muss eine Person sein, die einerseits Einschaltquoten bringt und sich andererseits bestens im Literaturbetrieb auskennt. Vielleicht jemand, der selbst schon Bücher veröffentlicht hat; jemand der sich auskennt, dem keiner was vormacht. Vielleicht jemand, der Kultur erkennt, wenn sie vor ihm steht. Vielleicht jemand, der es versteht, die Massen in die Verkaufsläden zu treiben, um die empfohlenen Bücher zu kaufen.Vielleicht jemand wie Dieter Bohlen. Auf dem steinigen, aber gerechten Pfad des Bohlenwegs wäre es doch ein Leichtes für das ZDF, seinem Bildungsauftrag weiterhin gerecht zu werden.

Wir werden Sie vermissen, Frau Heidenreich!

(c) europolitan

Götz George zum 70.

Juli 30, 2008

Im Juli feiert der Schauspieler Götz George seinen 70. Geburtstag. Ob als Schimanski, Sandmann oder Totmacher, stets fordert sich der impulsive Zirkuslöwe höchste Disziplin und Präzision ab. Doch gefallen will George niemandem – nur sich selbst.

2007 wurde Götz George mit dem Deutschen Fernsehpreis für sein Lebenswerk ausgezeichnet. Auch wenn George kein selbstverliebter Schauspieler ist, dessen Motor von derartigen Ehrungen angetrieben wird, kann er diese Anerkennung doch als Zeichen des Respekts vor seinen Leistungen begreifen. In unzähligen Rollen fasziniert und polarisiert George bereits seit fast 60 Jahren die deutsche Fernsehlandschaft wie kaum ein anderer.

Der Bulle von Duisburg

Georges Paraderolle war ohne Zweifel die des brachialen Tatort-Kommissars Horst Schimanski. Mit seinen robusten Methoden säuberte er nicht nur ganz Duisburg von schweren Jungs, sondern spielte sich in 29 Folgen in die Herzen der Zuschauer. Laut einer repräsentativen Emnid-Umfrage von 2008 gilt Georges Alter Ego zusammen mit Tatort-Partner Christian Thanner (gespielt von Eberhard Feik) als beliebtestes Kommissaren-Duo aller Zeiten.

Getrieben von einem unumstößlichen Gerechtigkeitssinn trampelte Schimanski Folge um Folge durch die Straßen der Ruhrpott-Metropole am Niederrhein und kämpft als überzeugter und überzeugender Bauchmensch gegen das Establishment an. Feste Prinzipien, ein klares Weltbild und undiplomatisches Durchsetzungsvermögen sind Eigenschaften, die George sicherlich mit seiner wohl bekanntesten Rolle teilt. Und gerade diese Neigung zur unverblümten Realitätssicht wird als Kontrast zur medialen, politischen und auch privaten Schönfärberei des alltäglichen Wahnsinns von den Zuschauern honoriert.

Fremdbestimmung als Fremdwort

Doch nicht nur in der Rolle des Tatort-Kommissars beweist George seinen eigenen Kopf. Wie in zahlreichen Interviews, der jüngst im WDR ausgestrahlten Dokumentation „Nicht reden, machen“ oder der kürzlich erschienen Biographie immer wieder deutlich wird, ist George auch privat ein Mensch, der auf seinen Bauch hört, und der persönlichen Selbstbestimmung höchsten Stellenwert einräumt.

Auch der nichtöffentliche Götz George folgt der Maxime, das eigene Leben selbst in die Hand zu nehmen, Entscheidungen selbst zu treffen, und für die Konsequenzen einzustehen. George ist keiner der Schauspieler, die ihren Lebenslauf von anderen verwalten lassen. Sobald ihm etwas oder jemand Unbehagen bereitet, folgt er dem Rat seiner Mutter und lässt seinem Unmut freien Lauf. „Denn letztendlich hängt alles mit der Lebensqualität zusammen“, offenbart George dem Nachrichtenmagazin ‚Der Spiegel’, „und die bestimmst du selbst“.

Fluchtpunkt Sardinien

Götz George ist ein naturverbundener Mensch. Nicht das turbulente Großstadtleben, nicht die von Abgasen und Lärm verseuchten Straßen, nicht das Menschenmeer ziehen ihn an, sondern vielmehr die idyllische Landschaft fern der nervösen Unruhe deutscher Metropolen.

Schon früh hat sich George neben seinen Wohnungen in Berlin und Hamburg ein kleines Anwesen auf der italienischen Insel Sardinien gegönnt. Ein menschenleerer Strand, an dem er ungestört seine Texte lernen kann, die Pracht des sardischen Landesinneren, und vor allem das Meer bringen George zu sich selbst zurück. So verrät er in der WDR-Dokumentation: „Das Wasser war schon immer mein antreibendes Element“.

So abgeklärt, so ausgeglichen und doch so weit entfernt von körperlichen oder geistigen Beeinträchtigungen, die das Alter mit sich bringen kann, erschien George noch nie. George weiß heute noch immer um die falschen Seiten des Lebens, noch immer blitzt sein Sinn für Gerechtigkeit auf. Doch muss er ihn nun nicht mehr um jeden Preis unter die Leute brüllen.

(c) europolitan.de